PVC ist nicht halogenfrei. Polyvinylchlorid enthält Chlor, das zu den Halogenen gehört. Auch flammwidriges PVC-FR enthält weiterhin Halogene. Für die Kabelauswahl müssen deshalb Material, Brandverhalten und Verlegebedingungen getrennt betrachtet werden.
PVC, PVC-FR und halogenfrei im Vergleich
| Ausführung | Halogenfrei? | Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten |
|---|---|---|
| PVC | Nein | Temperaturbereich, mechanische Beanspruchung und zulässige Verlegung laut Datenblatt |
| PVC-FR | Nein | Flammwidrige Ausführung; die nachgewiesene Brandprüfung steht im Datenblatt |
| Halogenfrei | Ja, nach den angegebenen Prüfanforderungen | Rauchentwicklung und Flammausbreitung zusätzlich prüfen; die Materialangabe allein reicht nicht |
PVC: Kabel für Standardanwendungen
PVC wird als Isolier- und Mantelmaterial verwendet. Ob ein PVC-Kabel für eine bestimmte Anlage geeignet ist, hängt auch von seinem Aufbau ab. Prüfen Sie Temperaturbereich, Bewegungsbeanspruchung und die Angaben zur Innen- oder Außenverlegung.
In unserem Sortiment finden Sie PVC-Ausführungen unter anderem bei Steuerleitungen und Starkstromkabeln.
PVC-FR: flammwidrig, aber nicht halogenfrei
FR steht für „flame retardant“. Bei PVC-FR ist das Brandverhalten der Materialmischung entsprechend ausgelegt. Welche Anforderungen das fertige Kabel erfüllt, muss das Datenblatt belegen. Eine bestandene Bündelbrandprüfung nach IEC 60332-3-24 beschreibt das Verhalten unter festgelegten Prüfbedingungen. Sie garantiert nicht, dass ein Kabel bei jedem realen Brand selbstständig erlischt.
PVC-FR kann im Brandfall weiterhin korrosive, halogenhaltige Gase freisetzen. Die Bezeichnung FR ist daher kein Nachweis für Halogenfreiheit oder geringe Rauchentwicklung.
Beispiele aus den Installationskabeln sind JE-Y(St)Y-FR mit massivem Leiter und JE-LIYCY-FR mit Litzenleiter. Die verlinkten PDFs enthalten die Angaben zur jeweiligen Ausführung.
Halogenfreie Kabel: Brandprüfungen einzeln beachten
LSZH steht für „Low Smoke Zero Halogen“ und bezeichnet raucharme, halogenfreie Ausführungen. Die zugehörigen Prüfungen müssen im Datenblatt angegeben sein.
Halogenfreie Kabelmaterialien begrenzen die Freisetzung halogenhaltiger Säuregase nach den angegebenen Prüfanforderungen. Das bedeutet nicht, dass bei einem Brand keine giftigen Gase entstehen. Auch Flammwidrigkeit und geringe Rauchentwicklung müssen gesondert nachgewiesen sein.
Diese Prüfungen behandeln unterschiedliche Eigenschaften:
- IEC 60754-1: Gehalt an Halogensäuregas
- IEC 60754-2: Säuregrad und Leitfähigkeit der Verbrennungsgase
- IEC 61034-2: Rauchdichte unter definierten Prüfbedingungen
- IEC 60332-1-2: vertikale Flammausbreitung an einer einzelnen isolierten Leitung oder einem Kabel
- IEC 60332-3-24: vertikale Flammausbreitung an gebündelten Kabeln, Kategorie C
Prüfen Sie die für Ihr Projekt geforderten Nachweise am konkreten Kabeltyp. Halogenfreie Ausführungen finden Sie beispielsweise bei JE-H(St)H und JE-LIHCH.
Dürfen halogenfreie Kabel ins Erdreich?
Aus der Bezeichnung „halogenfrei“ lässt sich keine Eignung für die Erdverlegung ableiten. Entscheidend sind Kabelaufbau und Verlegefreigabe. Bei den genannten JE-Innenkabeln sind die Einschränkungen zu Feuchtigkeit und Verlegung im jeweiligen Datenblatt zu beachten. Ein Schutzrohr ersetzt die Prüfung dieser Angaben nicht.
Für andere Umgebungsbedingungen prüfen Sie die Sonderkabel und die Angaben zur vorgesehenen Anwendung.
Kabel für Ihre Anlage auswählen
Halten Sie für die Auswahl den Einsatzort, die Verlegeart, die Betriebsspannung und die geforderten Brandprüfungen fest. Ergänzen Sie Aderzahl, Querschnitt und benötigte Länge. Die Datenblatt-Suche hilft beim Vergleich der Ausführungen.
Senden Sie uns Ihre Projektanforderungen. Wir beraten Sie bei der Auswahl des Kabeltyps. Unser Qualitätsmanagement ist seit 1996 nach ISO 9001 zertifiziert.
